12 Nov

Spektakel ohne doppelten Boden – Herren unterliegen Club 2:6!

Ein wahres Torspektakel gab es beim 6:2 Heimsieg der Reserve des 1. FC Nürnberg gegen den am Ende glücklosen TSV 1860 Rosenheim zu sehen. Schon in der ersten Halbzeit fielen sechs Treffer. Letztlich ein völlig verdienter Erfolg für die Zweitvertretung des Zweitligisten – wenn er auch unter dem Strich ein ganzes Stück zu hoch ausfiel.Die Rosenheimer hatten über zwei Drittel des Spiels gut mitgehalten, phasenweise auch immer wieder das Match bestimmt und ein offensives Spektakel abgeliefert – zu guter Letzt aber doch ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.

Das Match, welches im Trainingszentrum des Clubs am Valznerweiher, ausgetragen wurde, begann bereits unter Volldampf – und es brauchte keine Anlaufphase um auf Hochtouren zu kommen. Beide Teams, bei denen das Spielerische nie zu kurz kommen darf, legten von Beginn an kräftig los.

Schon nach nicht einmal zwei Zeigerumdrehungen hatte Nürnbergs Manuel Feil eine gute Möglichkeit die Hausherren in Front zu bringen: Er zog aus etwa zwanzig Metern satt ab – der Ball ging knapp am rechten Pfosten des von Mario Stockenreiter gehüteten Gehäuses der Rosenheimer vorbei.

Es sollte lediglich den Auftakt zu einem wilden und offensivfreudigen Hin und Her bedeuten, bei dem die defensive Kontrolle sicherlich das ein oder andere Mal zu kurz kam, das aber jederzeit äußerst unterhaltsam war. Denn nur Momente darauf setzte Markus Einsiedeler nach einer Ecke der Sechziger durch Danijel Majdancevic den Ball mit dem Kopf eine guten Meter neben den rechten Winkel (4.).

Etwas später war wieder Club an der Reihe. Wieder in Form des auffälligen Feil. Und das gleich doppelt – wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg: Erst nachdem Erik Engelhard, angespielt von Philipp Hercher, hereingeflankt hatte und Feil relativ frei stehend seine Direktabnahme aus zwölf Metern deutlich über den Kasten jagte (12.). Dann als er auf Vorlage von Maximilian Krauß alleine vor Stockenreiter auftauchte und den Torhüter zum frühen 1:0 überwand (14.).

Praktisch im Gegenzug fiel der Ausgleich: Maximilian Mayerl bediente herrlich Michael Denz, der das Leder gekonnt mit der Brust verarbeitete – und aus achtzehn Metern mit einem satten Schuss ins linke untere Eck zum 1:1 traf (16.). Keine Chance für Club-Keeper Nikola Vasilj.

Nach 25 Minuten dann sogar der Führungswechsel: Nürnbergs David Domej verlor in der Vorwärtsbewegung seines Teams etwa 30 Meter vor dem Tor den Ball an 1860-Goalgetter Danijel Majdancevic. Der ging sofort ab und auf und davon, stürmte in den Sechzehner und ließ dort von halbrechts Vasilj erneut alt aussehen – der Ball schlug flach links unten ein. 1:2 – jetzt führten die Rosenheimer.

Doch dies nur wenige Sekunden – für längerandauernde Freudenwallungen war zuviel los in diesem mega-turbulenten Kick. Quasi vom Anstoss weg schlug die U21 zurück. Diesmal betätigte sich Feil als Vorlagengeber. Er sah die Lücke in der Rosenheimer Defensive, spielte einen feinen Steilpass auf Krauß – der sofort nach der Ballannahme abzog und aus achtzehn Metern flach ins linke untere Eck einnetzte (27.). So schnell die Rosenheimer das Spiel gedreht hatten, so schnell war dies wieder passé.

Auch danach spielten beide Mannschaften sehenswert – und setzten voll darauf hier selbst in Führung zu gehen. Erst schoss Rosenheims Robert Köhler aus mehr als 25 Metern nur knapp über das Tor, dann musste Ex-Sechziger-Kapitän Christoph Wallner sein ganzes Können aufbieten, um eine heikle Szene für den Club zu entschärfen.

Kurz vor der Halbzeit schnürte Nürnbergs Krauß dann den Doppelpack – und schickte die Sechziger damit letztlich auf den Beginn der Verliererstraße. Feil flankte herein, sein Teamkollege Robin Heußer bediente Krauß per Kopf – und der schoss von der Strafraumgrenze zum 3:2 ein (42.).

Doch dem einen pschologisch ungünstigen Zeitpunkt unmittelbar vor der Pause nicht genug – es klingelte nochmals im Kasten der Innstädter. Und zwar nur Momente später: Wieder war Krauß beteiligt, diesmal als Gefoulter. Der Clubberer war in den Strafraum der Rosenheimer eingedrungen und dort von Georg Lenz gelegt worden – die Entscheidung war klar: Elfmeter. Den fälligen Strafstoß verwandelte Feil sicher zum 4:2 ins rechte untere Eck (44.).

Dann war dieses Wahnsinns-Erste-Halbzeit vorbei – und obwohl die Sechziger hier gut mitgespielt und das Publikum genauso blendend unterhalten hatten wie die Gastgeber, lagen sie aufgrund der fatalen Minuten vor dem Pausentee mit 2:4 hinten. Es war ein turbulenter erster Durchgang mit vielen schön herausgespielten Toren. Ein wechselhaftes Spiel, in welchem beide Mannschaften ihre jeweiligen Chancen suchten und oft genug auch fanden. Das Halbzeitergebnis und die Führung des Clubs war definitiv ein Tor zu hoch – aber so sind eben manchmal die Launen des Fußballs.

Zu Beginn der zweiten Spielhälfte kamen die Sechziger mit jeder Menge Elan zurück aufs Feld – und drängten vom Wiederanpfiff weg in den ersten Minuten vehement auch den Anschlusstreffer. Nürnbergs Verteidiger Domej und Andreas Knipfer hatten in Verbindung mit ihrem Kapitän Wallner alle Hände voll damit zu tun, die Rosenheimer Angriffsversuche zu stoppen.

Erst bediente Einsiedler Majdancevic, der zog innerhalb des Sechzehners ab  doch Domej brachte noch den Fuß dazwischen – nur Ecke (53.). Dann wir Mayerl von den Nürnbergern im Strafraum umgestoßen – die Rosenheimer fordern allesamt vehement einen Elfmeter – doch die Pfeife von Schiedsrichter Marco Achmüller bleibt stumm (55.). Bitter für 1860. Im Anschluss hätte aber der wiedergenesene Matthias Heiß für den Anschluss der Rothemden sorgen können. Er bekam nach einer Ecke die Riesenmöglichkeit – setzte seinen Kopfball aus nur drei Metern jedoch über den Kasten (57.).

Und wie es dann so geht – wenn die einen nicht wollen oder können, treffen eben die andern. Und schon wieder war es der mega-auffällige Krauß. Diesmal traf er nach Vorlage von Engelhard aus halbrechter Position knapp innerhalb des Strafraums der Rosenheimer zum 5:2 ins lange Eck (58.).

Damit war das Spiel praktisch frühzeitig vorentschieden. Nach den mehreren eigenen Möglichkeiten wieder heranzukommen, aus denen nichts wurde – waren das erneute Gegentor und der Drei-Tore-Rückstand einfach zuviel für die Sechziger. Deren Glaube und Elan waren jetzt gebrochen – die Nürnberger hatten das Match für sich entschieden.

In der letzten halben Stunde ereignete sich in einem Spiel, in welchem beide Mannschaften trotz Dauerregens zumindest offensiv ein wahres Feuerwerk abgebrannt hatten, nichts mehr Weltbewegendes. Eine weitere große Möglichkeit für den Club vereitelte Stockenreiter mit dem Fuß gegen Engelhardt, der mittig aus zehn Metern zum Schuss kam. Den Schlusspunkt in einer unterhaltsamen Partie setzte bereits in der 63. Minute Hercher mit dem 6:2. Simon Rott spielte ihn an der linken Strafraumgrenze an, der dort lauernde Hercher täuschte eine Drehung an, fintierte – und hämmerte den Ball ins Tor.

Dann war Schluss am Valznerweiher. Und beide beteiligten Teams mussten erst einmal kräftig durchschnaufen. Es war einiges los gewesen in diesem Regionalliga-Schlagabtausch. Der Club gewann ein über zwei Drittel sehenswertes, ansprechendes und temporeiches Spiel am Ende verdient. Ganz einfach weil er den Tick mehr Klasse bewies – und unter dem Strich konsequenter und gegen den Ball vielleicht etwas weniger störanfällig agierte. Die Zuschauer hatten in jedem Fall tolle Unterhaltung geboten bekommen. Das Ergebnis liest sich hart – fällt aber auch um zwei Tore zu hoch aus. Denn die Rosenheimer waren bis zum Doppelschlag vor dem Seitenwechsel mindestens gleichwertig.

Die Stimmen der Trainer:

Tobias Strobl (1860 Rosenheim):

„Es war ein richtig cooles Spiel heute, bei dem die Tore sehr gut rausgespielt wurden. Wir haben das Spiel in den drei, vier Minuten vor der Halbzeit verschenkt. Nach der Pause sind wir wirklich gut aus der Kabine gekommen und in der 50. Minute wurde uns mit dem 5:2 der Zahn gezogen. Für uns wurde ein möglicher Elfmeter nicht gegeben und im Gegenzug fällt dann das 5:2. Heute wurden meiner Mannschaft mal die Grenzen aufgezeigt – und wir haben gegen eine richtig gute Mannschaft verdient verloren.“

Reiner Geyer (1.FC Nürnberg II):

„Kompliment an meine Mannschaft, die richtig effektiv war. Wir mussten richtig hart gegen den Ball arbeiten. Rosenheim hat sehr gut von hinten raus gespielt und war nach vorne gefährlich. Aus meiner Sicht war es ein verdienter Sieg, auch wenn die Höhe so nicht zu erwarten war.“

Quelle: Beinschuss