10 Feb

Unser Neuzugang Rainer Hausner im Interview bei Fußball.de: VOLLZEITLEHRER UND TEILZEITTORWART

Mit der Verpflichtung von Gymnasiallehrer Rainer Hausner löste der TSV 1860 Rosenheim aus der Regionalliga Bayern vor wenigen Tagen sein akutes Torwartproblem. Weil Stammtorhüter Mario Stockenreiter mit einem Handbruch für lange Zeit ausfällt und der bisherige Ersatzmann Dominik Süßmaier zum Bayernligisten SB Chiemgau Traunstein wechselte, wird Hausner sofort gebraucht.

Für den 28 Jahre alten Schlussmann, der wegen seines Lehrerjobs zuletzt eine Fußballpause eingelegt hatte, ist es ein unerwartetes Comeback in der 4. Liga. Zuletzt so hochklassig am Ball war er 2013 im Trikot des VfL Frohnlach. Im FUSSBALL.DE -Interview spricht Rainer Hausner mit Mitarbeiter  Christian Knoth  über seine plötzliche Rückkehr in die 4. Liga, seinen Lehrerjob in München, seine Fitness und den Grund für seine Berufswahl.

FUSSBALL.DE: Hand aufs Herz: Haben Sie überhaupt noch daran geglaubt, dass Sie noch einmal in der 4. Liga spielen dürfen, Herr Hausner? 

Rainer Hausner:  Um ehrlich zu sein: Nicht wirklich. Es war ja auch nie der Plan, noch einmal so hochklassig Fußball zu spielen. Aber manchmal kommt es eben anders, als man denkt. Und ich bin froh, dass ich erneut die Chance erhalte, mich in der Regionalliga zu beweisen.

FUSSBALL.DE: Zuletzt hatten Sie sogar eine halbjährige Fußballpause eingelegt, um sich auf Ihren Job als Gymnasiallehrer zu konzentrieren. Warum hatten Sie die Entscheidung getroffen? 

Hausner:  Wenn ich etwas mache, dann möchte ich es auch richtig machen. Nach mehr als sechs Jahren Studium und zwei Jahren Referendariat habe ich im zurückliegenden Sommer meinen ersten Job als Vollzeitlehrer für die Fächer Wirtschaft und Geografie an einem Gymnasium in München angetreten. Von München aus wäre ich rund zwei Autostunden zu meinem Ex-Verein SC Eltersdorf unterwegs gewesen. Der zeitliche Aufwand war mir zu groß. Außerdem wollte ich vermeiden, dass ich meinen Job durch das viele Pendeln nicht bestmöglich ausüben kann.

FUSSBALL.DE: Und weshalb haben Sie jetzt doch wieder Zeit für Fußball? 

Hausner:  Ich spiele seit meinem elften Lebensjahr Fußball. Dieser Sport wird immer meine große Leidenschaft bleiben. Als dann der Anruf vom TSV 1860 Rosenheim kam, hat es einfach gekribbelt. Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte, war schnell klar: Ich mache es! Dafür sprach, dass der Weg von München nach Rosenheim nicht allzu weit ist und ich mit dem Auto bereits in rund einer Stunde da bin. Gemeinsam mit meinen Mitspielern Pius Krätschmer und Leopold Krüger bilde ich außerdem eine Fahrgemeinschaft. Meist geht es direkt von der Schule aus zum Trainingsplatz. Außerdem wohnt meine Freundin in Rosenheim, weshalb ich ohnehin oft in der Stadt bin. Spätestens das war das letzte Pro-Argument, was noch fehlte, um zuzusagen.  (lacht) 

FUSSBALL.DE: Aber Sie bleiben weiterhin Gymnasiallehrer in Vollzeit? 

Hausner:  Definitiv, der Lehrerjob hat ganz klar Priorität. Falls ich merken sollte, dass sich das Fußballspielen für Rosenheim doch nicht zeitlich mit meiner Arbeit vereinbaren lässt, werde ich beim TSV auch den Schlussstrich ziehen. Das ist mit dem Verein auch so kommuniziert. Aber ich bin optimistisch, dass es funktioniert, und ich freue mich auf die kommenden Monate.

FUSSBALL.DE: Beim TSV Rosenheim werden Sie sofort gebraucht. Wie ist es um Ihre Fitness bestellt? 

Hausner:  Es ist ja nicht so, dass ich in den vergangenen Monaten nur auf der faulen Haut lag.  (lacht)  Im Gegenteil! Ich habe tägliche Einheiten eingeschoben, dreimal die Woche etwas für meine Ausdauer getan und jeden zweiten Tag an Geräten trainiert. Körperlich fühle ich mich daher auf jeden Fall fit genug für die 4. Liga. Aber klar: Die Spielpraxis als Torhüter fehlt mir nach der langen Pause noch ein wenig. Daher ist es gut, dass wir noch ein paar Wochen Zeit haben bis zum Start der Rückserie.

FUSSBALL.DE: Bringt der Lehrerberuf auch Vorteile auf dem Fußballplatz mit sich? 

Hausner:  Ich glaube, dass man ein besseres Gefühl dafür bekommt, mit jungen Spielern zu reden. Ein Beispiel aus der Schule: Wenn einer meiner Schüler von zehn Aufgaben nur eine richtig löst, werfe ich ihm nicht bloß die neun falschen Ergebnisse an den Kopf, sondern lobe ihn auch für das eine richtige. So bleibt er motiviert und glaubt weiter an sich. Würde ich ihn nur kritisieren, dann hat er irgendwann keine Lust mehr und gibt sich auf. So ist es auch auf dem Fußballplatz. Wenn Talente nur Kritik einstecken müssen und keine positiven Dinge aufgezeigt bekommen, verlieren sie ihr Selbstvertrauen. Und das darf nicht passieren.

FUSSBALL.DE: Ihr Beruf ist es bereits, Menschen Dinge zu lehren und sie bei Ihrer Entwicklung aktiv zu begleiten. Können Sie sich daher auch vorstellen, irgendwann Fußballtrainer zu sein?

Hausner:  Vor einigen Jahren war ich schon einmal Torwarttrainer in einer Fußballschule eines Freundes. Das hat mir viel Spaß bereitet. Ich möchte daher nicht ausschließen, später einmal als Fußballtrainer zu arbeiten. Das würde ich dann aber eher nebenbei und nicht hauptberuflich machen.

FUSSBALL.DE: Warum? 

Hausner:  Ich liebe meinen Lehrerjob. Schon als Schüler hatte ich immer den Wunsch, das Klassenzimmer später einmal von der anderen Seite aus zu sehen. Ich wollte es besser machen, als die Lehrer, die ich nicht mochte. Und ich hoffe, dass mir das gelingt.  (lacht)

Quelle: Fußball.de