26 Okt

Toller Artikel über unseren Coach Ogi Zaric im Münchner Merkur

Autor Reinhard Hübner schreibt regelmäßig beim Münchner Merkur auf der Amateurfußballseite. In dieser Woche über unseren Coach Ogi Zaric. Vielen Dank für den coolen Artikel, den wir hier gerne abbilden.

Rosenheim-Coach Zaric: Das Verlieren will er nie lernen

Junge Gesichter auf der Trainerbank

Julian Nagelsmann hat in der Bundesliga einen Trend gesetzt, als er mit 28 Cheftrainer von 1899 Hoffenheim wurde. Auch in den Amateurklassen werden Trainer immer jünger. Ognjen Zaric, Coach des 1860 Rosenheim, ist eines der ganz jungen Gesichter.

Der gute Verlierer ist einer der Charaktere, die einem verdächtig vorkommen sollten. Hinter dem guten Verlierer steckt doch meist ein ziemlich langweiliger Mensch. Und dazu zählt Ognjen Zaric, den sie alle nur „Ogi“ nennen, nun bestimmt nicht. Zaric hat zwar das Gesicht eines Engels, er ist ein netter, höflicher junger Mann, einer, den man sich als Schwiegersohn nur wünschen würde. Er hat aber ein Problem, er kann einfach nicht verlieren. Zaric, 29, will noch so vieles lernen, „das Verlieren“, sagt er, „aber nie“.

Deshalb sind die letzten Monate ziemlich hart für ihn gewesen. Neun von 16 Regionalliga-Spielen hat er als Trainer mit 1860 Rosenheim verloren, es hat in ihm gebrodelt, gearbeitet, die meisten der Niederlagen waren absolut unnötig gewesen. Zaric hat sich dann an die Videoanalyse gemacht und halt einfach das Gute herausgezogen, für sich und die Mannschaft: „Wie bei einem Sieg nicht alles super war, war bei einer Niederlage nicht alles nur schlecht.“ So gewinnt Zaric dann doch, zumindest wertvolle Erkenntnisse.

Ogi Zaric ist einer der blutjungen Trainer, in der Regionalliga Bayern hinter Pipinsrieds Fabian Hürzeler, erst 25, der jüngste. Rosenheim ist seine erste Station im Herrenbereich, zuvor hat er Jugendmannschaften in seiner zweiten Heimat Kufstein gecoacht, war Individualtrainer beim Tiroler Fußballverband, hat dann hauptberuflich drei Jahre lang Talente am Deutschen Fußball Internat in Bad Aibling geformt, zuletzt die U17 der SpVgg Unterhaching derart locker zum Klassenerhalt in der Bundesliga geführt, dass man in Rosenheim, wo man gerade mit Tobias Strobl gute Erfahrungen mit einem jungen Trainer gemacht hatte, auf ihn aufmerksam wurde.

Eigentlich ist Zaric der Prototyp eines Talentförderers. Er spricht die Sprache der Jugend, er hat die Ausstrahlung, die Überzeugung, diesen brutalen Ehrgeiz, seine Intention ist, jungen Fußballern auf dem Weg zur Spitze zu helfen. Sein Lieblingsspruch stammt von Michael Jordan, der mal, frei übersetzt, gesagt hat: Manche wollen, dass es passiert, manche wünschen, dass es passiert, andere aber machen, dass es passiert. Gerne erzählt er die Geschichte von Cristiano Ronaldo, den einst im Internat von Sporting Lissabon ein Teamkollege nachts in der Sporthalle angetroffen hat. Ronaldos Erklärung: „Ich habe gemerkt, dass andere schneller sind.“ Das ist die Mentalität, die er bei seinen Spielern sehen will, diese absolute Bereitschaft, mehr, möglichst alles zu tun, um den großen Traum zu verwirklichen.

Auch Zaric selbst, in Serbien geboren, in Kufstein aufgewachsen, träumte den Traum vom Profifußball. Merkte aber recht früh, „dass es knapp werden würde“. Und weil er „immer nach dem Maximum“ strebt, hat er schon mit 20 den Weg zum Trainer eingeschlagen, hat alle Ausbildungen bis zur A-Lizenz gemacht und bei allen seinen Prüfern einen recht positiven Eindruck hinterlassen. Wenn Ogi was anpackt, dann hundertprozentig.

Das Jahr in Unterhaching war spannend, Zaric spürte die volle Rückendeckung von Präsident Manni Schwabl, der Zaric‘ Begabung erkannte und ihn mit der ihm eigenen Beharrlichkeit aus Bad Aibling weglockte. Zaric hat Hachings U17 zu einer verschworenen Gemeinschaft geformt, nie während der gesamten Spielzeit stand man auf einem Abstiegsplatz, am Ende wurde man Achter, ein fast schon sensationeller Erfolg, ein Erfolg des akribischen Arbeiters Zaric: „Wenn ich eine Mannschaft übernehme, will ich wissen, was für ein Mensch der Spieler ist. Ich will sein Umfeld und die Rahmenbedingungen kennenlernen, alle Einflüsse. Ich will alles tun, um ihn an die Spitze zu bringen.“

Weil er als ehrgeiziger Trainer aber auch selbst große Ziele verfolgt, hat ihn nun „die Erfahrung gereizt, mit Erwachsenen zu arbeiten“. Die Regionalliga ist für ihn zum Einstieg „eine sehr interessante Liga“, er wollte die Unterschiede kennenlernen zwischen Junioren- und Herrenfußball. Und stellte fest: „So groß sind die gar nicht, zumindest nicht bei den Trainingsinhalten.“ Unterschiedlich allerdings sind Motivation und Rahmenbedingungen: „Im Jugendfußball haben alle das gleiche Ziel, dem sie alles unterordnen: Sie wollen Profi werden.“ Bei Erwachsenen ist das individuell recht verschieden, die einen sehen die Regionalliga noch als Sprungbrett, „es sind aber auch Leute dabei, die voll im Beruf stehen, Familie und schon andere Aufgaben im Leben haben. Da trägt jeder seinen speziellen Rucksack. Für die zählt nur das Spiel am Wochenende, der Erfolg.“ Bei der Jugend gehe es mehr um langfristige, bei Erwachsenen um mittel- und kurzfristige Ziele.

Dass der Start in Rosenheim nicht nach Wunsch gelang, hat mehrere Gründe. Die Rückrunde der letzten Saison war, nachdem Tobi Strobl (der übrigens den Kontakt zwischen Zaric und Rosenheim hergestellt hat) seinen Wechsel nach Ingolstadt publik gemacht hatte, ziemlich holprig verlaufen, „das steckt noch immer in den Köpfen“. Zaric ist von der Qualität der Mannschaft überzeugt, glaubt aber, so selbstkritisch ist er, dass er sie auch „ein bisschen überfordert“ habe „mit zehn Seiten Matchplan. Das waren die Spieler nicht gewohnt, das habe ich dann reduziert.“

Nun gilt es, Konstanz reinzubringen, wie sehr die noch fehlt, haben die letzten Wochen gezeigt. Dem Sieg gegen die Bayern-Amateure, die in Rosenheim ihre erste und bisher einzige Saisonniederlage kassierten, folgte im nächsten Heimspiel ein 0:2 gegen Pipinsried und der Sturz auf den letzten Tabellenplatz. „Welchen Charakter die Mannschaft hat, zeigte sich, als wir dann nach einer harten Woche als Schlusslicht in Illertissen gewannen.“ Das hat Zaric imponiert, das bestätigt ihn in seiner Arbeit. Sich mit reinen Abwehrschlachten gegen den drohenden Abstieg zu stemmen, entspricht nicht seiner Philosophie, er fordert Fußball mit Spaß, Mut, auch in der Denkweise: „Man muss auch mal querdenken dürfen.“

Vor allem aber jene Leidenschaft zeigen, die in England mit „passion“ so trefflich umschrieben wird. „Das brauchen wir, in jedem Spiel, in jedem Training.“ Ogi Zaric lebt es vor. Er kann nicht anders. Er ist einfach kein guter Verlierer.